Dr. Emanuel Lasker rehabilitiert

Vor einem Jahr wurde an dieser Stelle über die Depromotion Emanuel Laskers durch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) während der Zeit des Nationalsozialismus berichtet.

Weitere Informationen: Emanuel Lasker depromoviert – aber noch nicht rehabilitiert

Daraufhin entstanden mehrere voneinander unabhängige Initiativen, die sich an die FAU mit der Bitte wandten, den akademischen Status Emanuel Laskers erneut zu prüfen. Neben der Emanuel-Lasker-Gesellschaft engagierten sich auch eine Gruppe von Privatpersonen aus dem akademischen Bereich sowie weitere Einzelpersonen.

Rechtlich galten die während der NS-Zeit ausgesprochenen Depromotionen aufgrund der nach 1945 erlassenen Kontrollratsgesetze von Anfang an als unwirksam. Mehrere deutsche Universitäten haben dies in den vergangenen Jahren zusätzlich durch Beschlüsse ihrer akademischen Gremien ausdrücklich bekräftigt.

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg nahm das Gedenken an die politisch motivierten Depromotionen in ihre Promoviertenfeier am 11. Juli 2026 auf. Universitätspräsident Prof. Dr. Joachim Hornegger ging in seiner Ansprache besonders auf die persönlichen Folgen dieser Maßnahmen ein. Ein von der Universität produzierter Kurzfilm verdeutlichte dies am Beispiel des Schachweltmeisters Emanuel Lasker.

Prof. Hornegger zitierte aus dem Rehabilitationsbeschluss, der im April und Mai 2026 von den Fakultätsräten und dem Senat verabschiedet worden war. Darin wird festgestellt, dass der Entzug akademischer Grade aus ideologisch motivierten Gründen nach freiheitlich-demokratischer Rechtsauffassung von Anfang an nichtig und damit unwirksam gewesen ist. Emanuel Lasker wird ausdrücklich in der beigefügten Namensliste aufgeführt.

Anschließend hatten die angereisten Gäste bei einer Führung mit dem Archivar der FAU, Dr. Wachter, Gelegenheit, die mit Lasker verbundenen Orte in Erlangen kennenzulernen.

Teilnehmer der Gedenkveranstaltung in Erlangen (von links): Prof. Ullrich (Koblenz), Rolf-Dietrich Beran (Berlin), Prof. Sieg (Marburg), Herr Thorn (Präsident Schachbund Bayern), Dr. Wachter (Archivar FAU), Frau Flores Bernholz (Schachjournalistin), Herr Weischede (Emanuel-Lasker-Gesellschaft), Frau Schalkhäuser, Prof. Rott (Regensburg), Frau Prof. Haverkamp-Rott (LMU München), Frau Rosenthal und Prof. Rosenthal (Zürich).

Im Anschluss führte Dr. Wachter die Gruppe durch Erlangen – vorbei an zwei Wohnadressen von Max Noether, dem Doktorvater Laskers, über das Hotel Kaiserhof, in dem Lasker während seines Promotionsverfahrens wohnte, bis zur alten Universitätsbibliothek. Dort konnten die Teilnehmer das Promotionsbuch, die Promotionsakte und die Entzugsakte einsehen. Unter dem Beifall der Anwesenden wurde der Rehabilitationsbeschluss anschließend der Akte beigefügt.

Der Kurzfilm, der Rehabilitationsbeschluss sowie weitere Fotos sind auf der Internetseite der Friedrich-Alexander-Universität abrufbar:

Würdigung von Verfolgten des NS-Regimes – FAU Erlangen-Nürnberg


Rolf-Dietrich Beran